Grundlagen
EU-Roaming Fair Use berechnen – wie viel GB du im Urlaub wirklich hast
Unbegrenzt surfen in Österreich – und plötzlich ist in Italien nach 25 GB Schluss? Das ist kein Fehler, das ist die Fair-Use-Formel. So rechnest du in 30 Sekunden aus, wie viel EU-Volumen dein Tarif hat, was danach kostet und wann der Anbieter wirklich nachfragen darf.

Inhalt
Kurz gesagt: Bei „Roam like at home“ darf dein Anbieter das EU-Datenvolumen begrenzen, wenn dein Tarif viel oder unbegrenztes Volumen hat. Das Minimum ist: Monatspreis ohne USt ÷ Vorleistungsentgelt × 2. Das Vorleistungsentgelt liegt 2026 bei 1,10 € pro GB, ab 2027 bei 1,00 €. Ein Tarif um 24 € brutto (20 € netto) bringt dir 2026 also mindestens 36,4 GB in der EU. Darüber darf höchstens ein Aufschlag in Höhe des Vorleistungsentgelts verrechnet werden – laut RTR derzeit 1,32 € pro GB inkl. USt. Stand: Oktober 2026.
Lago di Garda, dritter Urlaubstag, 21:30. Die Kinder schauen auf dem Tablet ihre Serie, du hast das Handy als Hotspot daneben gelegt, weil das Hotel-WLAN nur im Foyer funktioniert. Dann die SMS: „Sie haben Ihr EU-Roaming-Datenvolumen von 25 GB zu 80 % verbraucht.“ Du schaust auf den Vertrag, auf dem in großen Buchstaben „Unlimitiert“ steht. Und fragst dich, wer hier gerade rechnet – und ob richtig.
In diesem Artikel: die Formel in zwei Schritten, eine Tabelle für typische Tarife, was nach dem Limit kostet, warum Wertkarten anders rechnen, wann die 4-Monats-Regel zuschlägt – und eine Checkliste für vor der Abfahrt.
Warum es überhaupt ein Limit gibt
„Roam like at home“ heißt: In der EU und im EWR (Norwegen, Island, Liechtenstein) zahlst du für Telefonie, SMS und Daten dasselbe wie daheim. Aber dein Anbieter zahlt im Ausland dem fremden Netz ein Vorleistungsentgelt pro GB. Bei einem Tarif mit 100 GB um 20 € würde er bei voller Nutzung in Italien draufzahlen. Deshalb erlaubt die EU-Roaming-Verordnung eine Fair-Use-Grenze – aber nur nach einer fixen Formel, nicht nach Lust und Laune.
Die Vorleistungsentgelte sinken jedes Jahr (Bundesnetzagentur):
| Jahr | Vorleistungsentgelt pro GB (netto) |
|---|---|
| ab 1. 7. 2022 | 2,00 € |
| 2023 | 1,80 € |
| 2024 | 1,55 € |
| 2025 | 1,30 € |
| 2026 | 1,10 € |
| 2027 bis 30. 6. 2032 | 1,00 € |
Je niedriger dieser Wert, desto mehr EU-Volumen steht dir zu. Gute Nachricht für 2027: Dein Limit steigt automatisch um rund 10 %, ohne dass du etwas tust.
Die Formel in zwei Schritten
Die RTR beschreibt das Verfahren so:
Schritt 1: Ist dein Tarif ein „offenes Datenpaket“?
Teile den Monatspreis ohne USt durch das inkludierte Inlandsvolumen. Liegt das Ergebnis unter 1,10 € (2026), darf der Anbieter ein EU-Limit setzen. Liegt es darüber, hast du dein ganzes Inlandsvolumen auch in der EU. Bei unlimitierten Tarifen entfällt dieser Schritt – dort darf immer begrenzt werden.
Schritt 2: Das Mindest-Volumen ausrechnen
Monatspreis ohne USt ÷ 1,10 € × 2 = EU-Volumen in GB (Minimum)
Das RTR-Beispiel: Tarif 12 € ohne USt mit 20 GB. Schritt 1: 12 ÷ 20 = 0,60 € – also offenes Paket. Schritt 2: 12 ÷ 1,10 × 2 = 21,82 GB. Hier hast du in der EU also praktisch dein volles Volumen.
Den Nettopreis findest du so: Bruttopreis ÷ 1,2. Aus 24 € werden 20 €.
Rechenbeispiele für typische Tarife
| Monatspreis brutto | netto | Inlandsvolumen | EU-Minimum 2026 | EU-Minimum 2027 |
|---|---|---|---|---|
| 12 € | 10,00 € | 15 GB | 15 GB (Schritt 1: 0,67 € → Formel ergibt 18,2 GB, mehr als inkludiert) | 15 GB |
| 18 € | 15,00 € | 40 GB | 27,3 GB | 30,0 GB |
| 24 € | 20,00 € | unlimitiert | 36,4 GB | 40,0 GB |
| 30 € | 25,00 € | unlimitiert | 45,5 GB | 50,0 GB |
| 42 € | 35,00 € | unlimitiert | 63,6 GB | 70,0 GB |
Beispielwerte, keine echten Tarife. Bei Kombi-Rabatten oder Aktionspreisen zählt der Preis, den du tatsächlich für die mobilen Dienste zahlst. Ist das Endgerät im Monatspreis eingerechnet, gilt nur der Tarifanteil – frag im Zweifel nach.
Spannend wird es bei der zweiten Zeile: 40 GB daheim, aber „nur“ 27,3 GB in der EU. Für zwei Wochen Strand reicht das locker. Für vier Wochen Camping mit Laptop und Streaming nicht.
Was nach dem Limit passiert
Ist das EU-Volumen verbraucht, darf dein Anbieter einen Aufschlag verlangen – höchstens in Höhe des Vorleistungsentgelts. Die RTR nennt als derzeitigen Höchstwert 1,32 € pro GB inkl. USt (das sind 1,10 € netto). Zusätzlich gelten Obergrenzen von 2,28 Cent pro aktiver Minute und 0,36 Cent pro SMS.
Rechenbeispiel: drei Wochen Camping in Kroatien
Tarif 24 € brutto, unlimitiert, EU-Minimum 36,4 GB. Ihr streamt abends, du arbeitest tagsüber zwei Stunden mit Videocalls und hast am Ende 55 GB verbraucht.
- 55 GB − 36,4 GB = 18,6 GB über dem Limit
- 18,6 GB × 1,32 € = 24,55 € Aufschlag (maximal)
Ärgerlich, aber kein Drama. Teurer wird es, wenn du außerhalb der EU landest – etwa in Bosnien oder Serbien. Dort gilt die ganze Rechnung nicht: Roaming am Balkan – Serbien, Bosnien, Montenegro ohne Kostenfalle. Und die Schweiz ist der Klassiker, an dem selbst Vielreisende scheitern: Roaming Schweiz – die Kostenfalle vor der Haustür (und wie du sie umgehst).
@lead Mehr als 50 GB im Urlaub? Dann ist eine Reise-eSIM mit fixem Volumen oft günstiger als der Aufschlag – und dein Heimtarif bleibt für Anrufe und SMS-TANs aktiv. Wie das funktioniert: eSIM für Reisen erklärt – so funktioniert Internet ohne SIM-Tausch.
Wertkarte: andere Formel
Bei Prepaid ohne Paket zählt dein Guthaben bei Beginn der Nutzung im Ausland (ohne USt), geteilt durch das Vorleistungsentgelt. Die RTR rechnet: 12 € Guthaben ÷ 1,10 € = 10,91 GB. Hast du einen Teil des Guthabens schon für Minuten oder SMS verbraucht, sinkt das Volumen entsprechend. Tipp: Lade vor der Abfahrt auf, nicht erst am Urlaubsort.
Die 4-Monats-Regel: wann der Anbieter nachfragen darf
Fair Use hat noch eine zweite Seite. „Roam like at home“ ist für Reisen gedacht, nicht fürs dauerhafte Leben im Ausland. Der Anbieter darf deshalb beobachten, ob du über mindestens vier Monate überwiegend im Ausland bist und dort auch überwiegend surfst, ob eine SIM lange inaktiv war und fast nur im Roaming genutzt wird oder ob du viele SIM-Karten nacheinander im Ausland nutzt.
Stellt er das fest, muss er dich zuerst warnen. Du hast dann zwei Wochen, um dein Nutzungsverhalten zu ändern – etwa indem du wieder mehr in Österreich nutzt. Erst danach darf er Aufschläge verrechnen. Außerdem kann er einen Nachweis deiner „stabilen Bindung“ zu Österreich verlangen: Meldezettel, Arbeitsverhältnis oder Studium.
Für Überwinterer in Spanien, Digitalnomaden und Langzeitcamper heißt das: Ab etwa drei Monaten am Stück lohnt sich eine lokale SIM oder ein eigener Router-Tarif. Wer unterwegs arbeitet: Remote arbeiten unterwegs – Videocalls, VPN, Latenz und Backup. Wer am Stellplatz ohne gutes Netz steht, ist mit Satellit oft besser dran – Starlink hat im Ausland aber ebenfalls eigene Regeln: Starlink außerhalb Europas – die 30-Tage-Regel und die Reiseregistrierung.
Checkliste vor der Abfahrt
- Nettopreis deines Tarifs ausgerechnet (Brutto ÷ 1,2)
- EU-Volumen nach Formel geschätzt und in den Entgeltbestimmungen nachgeschaut
- Reiseroute geprüft: nur EU/EWR? Schweiz, Balkan, Türkei, UK sind nicht dabei
- Hotspot-Nutzung für Tablet/Laptop eingeplant (Streaming frisst 1–3 GB pro Stunde, je nach Qualität)
- Streaming-Apps auf niedrigere Qualität gestellt, Offline-Downloads im WLAN daheim erledigt
- Wertkarte vor der Abreise aufgeladen
- Verbrauch in der Anbieter-App im Blick, Warn-SMS nicht wegwischen
- Bei über 50 GB oder über drei Monaten: Reise-eSIM oder lokale SIM vergleichen
- Für Gebiete ohne Netz: Plan B (Router mit Außenantenne oder Satellit)
Häufige Fragen
Wie viel EU-Roaming-Volumen habe ich mit einem unlimitierten Tarif?
Mindestens Monatspreis ohne USt ÷ 1,10 € × 2 (Stand 2026). Bei 30 € brutto (25 € netto) sind das rund 45,5 GB. Ab 2027 wird durch 1,00 € geteilt – dann sind es 50 GB.
Was kostet ein GB über dem Fair-Use-Limit?
Höchstens das Vorleistungsentgelt: laut RTR derzeit 1,32 € pro GB inklusive USt. Viele Anbieter verrechnen weniger oder bieten Zusatzpakete an.
Gilt Fair Use auch für Telefonie und SMS?
Ja, aber anders: Dort geht es nicht um ein Volumen, sondern um die stabile Bindung zum Heimatland und die 4-Monats-Kontrolle. Ein Aufschlag ist nur bei festgestelltem Missbrauch zulässig.
Gilt EU-Roaming in der Schweiz und in Großbritannien?
Nein. Die Schweiz ist weder EU noch EWR, Großbritannien ist seit dem Brexit nicht mehr dabei. Einige Anbieter schließen diese Länder freiwillig ein – prüfe deinen Tarif.
Steigt mein EU-Volumen 2027?
Ja. Das Vorleistungsentgelt sinkt von 1,10 € auf 1,00 € pro GB. Weil durch diesen Wert geteilt wird, steigt das Mindest-Volumen um rund 10 %.
Woher weiß ich mein genaues Limit?
Aus den Entgeltbestimmungen deines Tarifs und aus der Info-SMS, die du beim Grenzübertritt bekommst. Im Kundenkonto bzw. in der App siehst du meist auch den aktuellen EU-Verbrauch.


