Grundlagen
Roaming am Balkan – Serbien, Bosnien, Montenegro ohne Kostenfalle
Kaum bist du über die Grenze, vibriert das Handy: „Willkommen in Serbien“. Was danach kommt, entscheidet über ein paar Euro – oder über eine Rechnung, die dir den Urlaub verdirbt.

Inhalt
Kurz gesagt: Serbien, Bosnien-Herzegowina, Montenegro, Nordmazedonien, Albanien und Kosovo sind nicht Teil von „Roam like at home“. Die EU verhandelt zwar seit 2026 über eine Ausweitung, Termine gibt es aber noch keine (Stand 10/2026). Bis dahin gilt: vor der Abfahrt ein Roaming-Paket deines Anbieters aktivieren oder eine Reise-eSIM kaufen. Ohne Paket kann es teuer werden – Magenta verrechnet laut eigener Preisliste ohne Paket 15,36 € pro MB. Ein gesetzliches Kostenlimit von 60 € bremst Datenkosten, für Anrufe gilt es nicht.
Freitag, 21:40, Grenzübergang Bajakovo. Hinter dir die kroatische Autobahn, vor dir die Lichter von Šid. Die Kinder schlafen, das Navi rechnet die Route nach Belgrad neu – über mobile Daten. Und das Handy zeigt längst nicht mehr A1, Magenta oder Drei, sondern einen serbischen Netzbetreiber.
In diesem Artikel: warum am Balkan andere Regeln gelten, was die drei großen österreichischen Anbieter aktuell verlangen, ein Rechenbeispiel für zwei Wochen Urlaub, wann eine eSIM günstiger ist – und eine Checkliste für die Abfahrt.
Warum EU-Roaming am Balkan nicht gilt
„Roam like at home“ gilt in der EU sowie in Island, Liechtenstein und Norwegen – Details im Internet im Ausland – eSIM, SIM, WLAN, Starlink im Überblick. Die sechs Westbalkan-Staaten gehören nicht dazu. Seit Oktober 2023 gibt es zwar eine freiwillige Vereinbarung von Netzbetreibern aus der EU und dem Westbalkan, die Datenpakete auf höchstens 18 € pro GB begrenzt (RATEL, Serbien). Das gilt aber nur für spezielle Angebote und Pakete – nicht für den Standardpreis ohne Paket.
Im Februar 2026 hat die EU-Kommission vorgeschlagen, „Roam like at home“ auf Albanien, Bosnien-Herzegowina, Kosovo, Montenegro, Nordmazedonien und Serbien auszuweiten (Bundeskanzleramt, 02/2026). Die Verhandlungen werden mit jedem Land einzeln geführt; jedes Land muss die EU-Roamingregeln übernehmen. Stand Oktober 2026 gibt es kein Startdatum (KOSMO, 19.10.2026).
Untereinander roamen die sechs Länder übrigens schon seit Juli 2021 ohne Aufschlag. Das hilft dir aber nur mit einer SIM aus der Region.
Was A1, Magenta und Drei verlangen
| Anbieter | Option | Preis | Gilt in | Quelle, Stand |
|---|---|---|---|---|
| A1 | Roaming Pass Zone 1 | 4,90 € pro angefangenem GB | Serbien, Bosnien-H., Montenegro, Nordmazedonien, Albanien | A1 Länderliste, Stand 01/2026 |
| A1 | Roaming Pass Zone 2 | 5,90 € pro angefangenem GB | Kosovo | A1 Länderliste, Stand 01/2026 |
| Drei | Roaming-Paket Go | 5 € für 1 GB, 15 Tage | Serbien, Bosnien-H., Montenegro, Albanien, Nordmazedonien | Drei Entgeltbestimmungen Zusatzpakete, abgerufen 10/2026 |
| Drei | Roaming-Paket Go Select | 10 € für 5 GB, 15 Tage | nur Serbien | wie oben |
| Drei | Roaming-Paket Travel | 10 € für 1 GB, 15 Tage | Kosovo | wie oben |
| Magenta | ohne Paket (Standard) | 15,36 € pro MB, Abrechnung in 100-KB-Blöcken | Serbien, Bosnien-H. | Magenta Roamingfinder, abgerufen 10/2026 |
Bei Magenta lohnt sich vor der Reise ein Blick in die Reise- und Zusatzpakete deines Tarifs – im Roamingfinder waren für diese Länder beim Abruf keine Pakete angezeigt. Bei Diskont- und Zweitmarken (z. B. über die Netze von A1, Magenta oder Drei) gelten eigene Preislisten.
Die Zahlen zeigen das Muster: Mit Paket kostet ein GB rund 2 bis 10 €. Ohne Paket kann schon ein Bruchteil eines GB dreistellig werden. Und genau da kommt das Kostenlimit ins Spiel.
Das 60-€-Limit – und wo es nicht schützt
Für Datenroaming gilt weltweit ein Kostenlimit von 60 €. Bei 80 % bekommst du eine Warnung, beim Limit wird das Datenroaming gesperrt – du kannst die Sperre selbst aufheben, die Arbeiterkammer rät aber dringend davon ab (AK Wien, 2026).
Wo das Limit nicht hilft:
- Telefonieren: Anrufe sind nicht erfasst. Auch ankommende Anrufe kosten außerhalb der EU Geld, ebenso Anrufe, die auf der Mailbox landen. Tipp der AK: Mailbox vor der Reise mit ##002# deaktivieren.
- Grenzgebiete: In Kroatien nahe der bosnischen Grenze oder an der montenegrinischen Küste bucht sich das Handy manchmal ins Nachbarnetz ein. Netz manuell wählen hilft.
- Schiff und Flugzeug: Satelliten-Netze an Bord sind teuer; das Datenlimit gilt zwar auch dort, Anrufe aber nicht.
Ein Limit, das erst bei 60 € greift, ist Schutz vor der Katastrophe – nicht vor dem Ärger. Die bessere Frage ist: Wie viel brauchst du eigentlich?
Rechenbeispiel: zwei Wochen Serbien und Bosnien
Annahme: 14 Tage Urlaub, Navi, WhatsApp, ein paar Fotos und Social Media, gelegentlich Streaming im Quartier ohne WLAN – zusammen 4 GB.
| Variante | Rechnung | Kosten |
|---|---|---|
| A1 Roaming Pass Zone 1 | 4 × 4,90 € | 19,60 € |
| Drei Go Select (nur Serbien) | 1 Paket, 5 GB | 10,00 € |
| Drei Go (Serbien + Bosnien) | 4 Pakete à 1 GB | 20,00 € |
| Ohne Paket bei 15,36 €/MB | schon 4 MB ≈ 61 € | Limit nach wenigen Minuten erreicht |
Ohne Paket bist du also nach ein paar Minuten Navi am 60-€-Limit – und dann offline. Mit Paket kostet derselbe Urlaub so viel wie ein Mittagessen.
Die Alternative: Reise-eSIM oder lokale SIM
Eine Reise-eSIM installierst du schon zu Hause per QR-Code und aktivierst sie bei der Ankunft. Für Serbien, Bosnien und Montenegro gibt es Einzelländer- und Balkan-Regionalpakete; die Preise vergleichst du am besten direkt in den Apps der Anbieter, weil sie sich oft ändern. Wie das Einrichten funktioniert und worauf du bei Dual-SIM achtest: eSIM für Reisen erklärt – so funktioniert Internet ohne SIM-Tausch.
Vorteile: Die Heimat-SIM bleibt für Anrufe und SMS-TANs aktiv, das Datenvolumen ist fix bezahlt, nichts läuft nach. Nachteil: eine Nummer mehr im Handy und kein Telefonieren über die eSIM, wenn sie nur Daten enthält.
Eine lokale Prepaid-SIM (z. B. am Grenzübergang, im Kiosk oder Shop) ist bei langen Aufenthalten oft am günstigsten – dafür brauchst du meist einen Ausweis und etwas Zeit vor Ort.
Und wenn du in einer Hütte in den Bergen landest, wo kein Netz ankommt? Dann hilft weder Paket noch eSIM: eSIM oder Starlink? Was sich wann lohnt.
Wenn du länger bleibst oder unterwegs arbeitest
Wer drei Wochen bei der Familie in Bosnien verbringt oder von dort aus arbeitet, sollte anders rechnen: lokale SIM mit großem Datenpaket plus mobiler Router für den Laptop. Für Videocalls zählen Latenz und Stabilität mehr als die reine Bandbreite – mehr dazu in Remote arbeiten unterwegs – Videocalls, VPN, Latenz und Backup. Und wer mit dem Camper Richtung Montenegro fährt, findet Strom- und Antennentipps in Internet am Campingplatz – WLAN, mobiler Router, Antenne oder Starlink.
Checkliste vor der Abfahrt
- Tarifbedingungen für jedes Reiseland prüfen (Serbien, Bosnien, Montenegro, Kosovo können unterschiedlich sein)
- Roaming-Paket vor der Grenze aktivieren oder eSIM installieren
- Bei eSIM: Datenroaming der Heimat-SIM aus, der eSIM an
- Mailbox deaktivieren (##002#), Anrufe möglichst über WLAN
- Automatische App-Updates und Foto-Backup auf „nur WLAN“ stellen
- Offline-Karten für die Route laden
- Netzwahl in Grenznähe auf manuell stellen
- 60-€-Limit nicht aufheben
- Bei Familienbesuch: Nummer einer lokalen SIM für Rückrufe notieren
Häufige Fragen
Gilt EU-Roaming in Serbien oder Bosnien?
Nein. Die sechs Westbalkan-Staaten sind nicht Teil von „Roam like at home“. Die EU verhandelt seit 2026 über eine Ausweitung, ein Startdatum gibt es noch nicht (Stand 10/2026).
Was kostet Roaming in Serbien mit A1?
Mit dem A1 Roaming Pass 4,90 € pro angefangenem GB (Zone 1, Stand 01/2026). Prüfe, ob die Option in deinem Tarif enthalten bzw. aktiviert ist.
Gibt es ein Kostenlimit beim Roaming?
Ja, für Datenroaming gilt ein Limit von 60 €, mit Warnung bei 80 %. Für Anrufe gilt es nicht.
Ist eine eSIM am Balkan günstiger?
Oft ja, vor allem wenn du viele GB brauchst oder mehrere Länder bereist. Vergleiche aber mit den Paketen deines Anbieters – die A1- und Drei-Pakete sind teils sehr günstig.
Was ist mit Kroatien und Slowenien?
Beide sind EU-Mitglieder: Dort gilt „Roam like at home“ mit deinem normalen Tarif, innerhalb der Fair-Use-Regeln. Anders die Schweiz: Roaming Schweiz – die Kostenfalle vor der Haustür (und wie du sie umgehst).
Wann fällt das Roaming am Balkan weg?
Das hängt von den Verhandlungen mit jedem einzelnen Land ab. Bis Oktober 2026 wurde kein Termin genannt. Wir aktualisieren diesen Artikel, sobald es einen gibt.
Quellen
- A1 Roaming PASS – Länderliste (Stand 01/2026)
- Drei – Entgeltbestimmungen Zusatzpakete (abgerufen 10/2026)
- Magenta – Roamingfinder (abgerufen 10/2026)
- AK Wien – Roaming auf Reisen: vor Kostenfalle schützen
- Bundeskanzleramt – „Roam like at Home“ für den Westbalkan (02/2026)
- KOSMO – Roaming EU/Westbalkan: Verhandlungen gehen weiter (19.10.2026)
- RATEL – Senkung der Roamingentgelte Westbalkan–EU


